Zu der Familie der Meliaceen gehören tropische Baumarten wie Mahagoni.
Nach der indischen Vorstellung lebt im Neem-Baum eine der ältesten Gottheiten Indiens: die Göttin Sîtalâ, die in der Mythologie als Heilerin der Pockenkranken auftritt. Der Baum wurde deshalb neben Tempel und zum Schutz vor Krankheiten vor die Wohnhäuser gepflanzt. Seine Zweige finden Verwendung bei Neujahrsriten und Frühjahrskuren, bei Geburten werden Hütten und Wohnstätten mit ihnen geschmückt, um göttlicher Hilfe teilhaftig zu werden. Um die gestörte Sîtalâ zu besänftigen, wenn man sich an ihrem Wohnsitz bedient, werden Opfergaben vor den Baum gelegt, bevor Zweige abgebrochen werden.
Heute wird der schattenspendende Neem-Baum noch immer gern an Alleen und Felder gepflanzt, da er die Luft erfrischt und Insekten fernhält. Wegen seiner vielseitigen Wirkungen wird Neem in Indien auch "Die Dorfapotheke" genannt. Sogenannte "Zahnfegen" dienen dort wie Zahnbürsten zur täglichen Pflege: Junge Zweige werden solange gekaut, bis sie pinselartig ausgefranst sind und anschließend als Zahnbürste verwendet.
In den letzten Jahren stand der Neem-Baum auf andere Weise im Blick des öffentlichen Interesses: 1995 hatte die amerikanische Agrofirma W.R.Grace, Entwickler eines Insektizids auf der Grundlage von Neem, ein Patent auf den Neem-Baum erwirkt, das ihr am 10. Mai 2000 vom Europäischen Patentamt wieder entzogen wurde. Mehr als eine halbe Millionen Inder waren zuvor in Bangalore Sturm gegen das Patent gelaufen, wollte man ihnen doch ihren heiligen Neem-Baum streitig machen.